Frühere Produktionen mit Bildern und Kritiken
O Vater, armer Vater, Mutter hängt dich in den Schrank und ich bin ganz krank
Madame Rosepettle ist eine Frau von Welt, die weiß, wie man siegreich durchs Leben kommt und was sich gehört. Und natürlich weiß sie auch, was das Beste für ihre Familie ist. Ihren Mann hat sie unsterblich an sich gebunden, auf all ihren Reisen ist er dabei; er wartet treu und klaglos im Hotelzimmer, während sie die Gegend unsicher macht. Seit sie ihn ausstopfen ließ könnte ihr Leben so beneidenswert sein: Mit ihren Fleisch fressenden Pflanzen und ihrem Edelpiranha ist immer was los, nur ihr braver Sohn Jonathan macht ihr Sorgen, seit er sich auch für eine andere Frau als die Frau Mama interessiert. Ist diese Rosalie wirklich nur die schüchterne Babysitterin von Nebenan oder ein durchtriebenes Miststücke, das den Familienfrieden stört und einem zeigt, wie alt und überflüssig man geworden ist?
Eine „pseudoklassische Tragifarce in einer pseudofranzösischen Tradition“ nennt der Autor Arthur Kopit (1937 in New York geboren) sein Stück des absurden Theaters, das vor fast vierzig Jahren vom Staatstheater Stuttgart aus seinen Siegeszug durch die deutschsprachigen Spielpläne antrat, mittlerweile fast vergessen ist und nun von jungen Schauspielern wieder entdeckt wird.
Es spielen Schauspielstudenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst:
Stephanie Biesolt, Shari Crosson, Henrike Hahn, Nora Quest, Yasin El Harrouk, Jonathan Hutter, Benjamin Janssen und Maik Rogge.
Regie: Marc Lunghuß
Bühne: Tobias Schunck
Kostüme: Jennifer Thiel
Dramaturgie: Frederik Zeugke
Premiere im Wilhelma Theater am 14. Oktober 2011, 20 Uhr

- Fotos: Christoph Kalscheuer
Orpheé aux enfers

- Copyright: Christoph Kalscheuer
Jaques Offenbach wollte eine Parodie auf den Orpheus-Mythos schreiben. Genauer gesagt, sollte es ein Portrait des zweiten Kaiserreiches werden, gemalt im Gewand der griechischen Götter. Und waren die Bewohner des Olymps schon aus mythologischer Sicht nicht gerade zimperlich, so wurden sie bei Offenbach und seinen beiden Librettisten Halévy und Cremieux aller ihnen noch verbliebenen Anständigkeit und moralischen Integrität beraubt.
Im Sinne einer Radikalaufklärung dürfen wir bei „Orphée aux enfers“ hinter die Kulissen schauen und erfahren, dass die ach so rührenden Geschichten um treue Liebe, echte Keuschheit und moralischen Anstand nichts sind als pädagogische Erbauungsliteratur für die Doch auch bei diesen sieht es nicht viel besser aus. Orpheus und Eurydice wären froh sich gegenseitig loszuwerden, doch braucht die Nachwelt wenigstens ein Beispiel einer treuen Liebe bis über den Tod hinaus und ihre Wahl fällt auf eben jenes Paar, dessen wahres Leben uns erst die Operette zeigen durfte.
Orpheus fürchtet um seine Lektionen, Jupiter droht mit seiner Reputation die Deckung zu verlieren und die ganze Göttertruppe könnte auf Nimmerwiedersehen im Orkus versinken. Nur Eurydice scheint nichts zu verlieren zu haben und schert sich einen feuchten Kehricht. Gegen die Gefahr durch die Öffentliche Meinung ist ein Aufstand der Götter gegen Jupiter ein Klacks. Der Allvater wehrt ihn mit der linken Hand ab, indem er seinen verzuckerten Nektarnagern einen Ausflug in die Hölle inklusive Party spendiert und schlägt so allerlei Fliegen mit einer Klappe.
Text von Hector Crémieux unter Mitarbeit von Ludovic Halévy
Musik von Jacques Offenbach
Version von 1858
Gesungen in französischer Sprache mit deutschen Dialogen
Mit Gunta Cese, Ramona d’Uva, Silvia Häntsche, Zografia Madesi, Tanja Kuhn, Tatjana Prybura, Melanie Schlerf, Haruna Yamazaki, Julian Popken, Christopher Kaplan, Nico Lindheimer, Daniel Raschinsky, Hitoshi Tamada, Christian Wilms, Patrick Zielke
Es spielt das Orchester der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Musikalische Leitung: Per Borin
Regie: Bernd Schmitt
Bühne und Kostüme: Kersten Paulsen
Choreografie: Mario Heinemann
Dramaturgie: Bettina Stiller-Weishaupt
Premiere im Wilhelma-Theater Stuttgart am 27. Mai, 19:30 Uhr
Kritik in der Eßlinger Zeitung (31. Mai 2011)
La Finta Giardiniera
- Copyright: Christoph Kalscheuer
Diese opera buffa. Die höfische Welt des untergehenden Absolutismus war wie besessen von solchen Komödien, in denen unter der Maske des heiter tändelnden, liebesverwirrten Personals eiskalte Experimente am lebenden Herzen durch- und vorgeführt wurden.
Als aberwitzige Mischung aus Verwechslungskomödie, Rührstück und Schauerdrama werden hier Konventionen, Standesgrenzen und Geschlechterrollen nicht anders über den Haufen geworfen, als es das Rokoko beim Abgang seines Zeitalters auch in der Realität erlebte. Dieser Reigen verletzter Gefühle führt aber auch tief ins Innere verstörter Menschenseelen. Wenn hier sieben Personen in die Abgründe ihrer Empfindungen stürzen, wenn sie – für die Bühne erfunden, um von einer Hofgesellschaft begafft zu werden, die das Lieben verlernt hatte - endlich in all ihre existenziellen Bedrohungen geraten, hat der an ihnen durchgeführte Versuch den Beweis der in der Liebe regierenden Vergänglichkeit planmäßig erbracht.
Auf der Zutatenliste für dieses Komödiengebräu steht eine von ihrem Verlobten aus Eifersucht fast getötete Gräfin, die versucht, verkleidet als Gärtnerin eines ebenso bescheiden begabten wie unbescheiden auftretenden Provinzpolitikers, das Herz ihres Verlobten zu prüfen. Außerdem eben dieser Verlobte, der in eine Verbindung mit der Nichte des Provinzbeamten zu fliehen versucht. Ferner das Dienstmädchen, das die Chance wittert, mit ihrem Herren endlich einen dicken Fisch an Land ziehen zu können – und der Diener seiner als Gärtnerin nicht besonders überzeugend auftretenden Gräfin, der hofft, das Dienstmädchen könnte sich stattdessen ihm zuwenden.
Ein waschechter Kastrat aus dem Paralleluniversum der opera seria macht dieses bunte Personal von an Herz und Seele Maskierten erst richtig krude – und ist in seinem verstümmelten Körper, in seiner unfreiwilligen Travestierolle und seiner tragisch masochistischen Beziehung zu der Nichte doch der einzig Unverstellte in diesem seltsamen Biotop.
Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Inszenierung: Sandra Leupold
Bühne und Kostüme: Annette Wolf
Orchester: Stuttgarter Kammerorchester, Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Es singen Studenten der Opernschule: Stefania Kurtikyan, Michael Mogl, Kora Pavelic, Melanie Schlerf, Julia Späth, Christian Wilms, Patrick Zielke
Premiere im Wilhelma-Theater am 11. Februar 2011, 19 Uhr
Ein Sommernachtstraum

- Copyright: Christoph Kalscheuer
Am Hof von Athen will Herzog Theseus endlich seine Hippolyta heiraten, die aber nicht unbedingt ihn. Auch den Untertanen ergeht es in Liebesdingen nicht viel besser: Helena liebt Demetrius, Demetrius aber liebt Hermia, Hermia liebt Lysander und Lysander wiederum liebt Helena – da hilft nur die Flucht in den Wald, die Liebenden voran, die Eifersüchtigen hinterher. Ein lustvoll liebestoller Sommernachts-Alptraum beginnt, sein Dirigent ist der Waldgeist Puck, Diener des ebenfalls zerstrittenen Königspaares im Feenreich, Oberon und Titania. Mithilfe einer Zauberblume bewirkt Puck, dass sich die Falschen in die Richtigen und die Richtigen in die Falschen verlieben. In diesem Dickicht der Gefühle, dieser Midsummer-madness,
Aus dem Englischen von Jürgen Gosch, Angela Schanelec und Wolfgang Wiens
Es spielen Schauspielstudenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
Regie: Gerd Heinz, Bühne und Kostüme: Kersten Paulsen, Dramaturgie: Franziska Kötz
Premiere im Wilhelma Theater am Freitag, den 8. Oktober 2010
La Bohème
- Copyright: Dominik Eisele
Was bleibt übrig – so fragen wir uns bei der Konzeptionsarbeit für Puccinis Oper „La Bohème“ – was bleibt übrig, wenn wir uns „La Bohème“ einmal ohne alle dekorativen Elemente denken? Kein Paris, kein Weihnachtsabend und kein Weihnachtsmarkt, keine Zollschranken und kein Schnee, der leise rieselt. Und, so wir es schaffen, wollen wir uns auch die restlos unglaubwürdige Edelkitscharmut unserer an der Pensionsgrenze agierenden Starensembles aus dem Kopfe schlagen. Was aber bleibt dann noch? Eine gute Geschichte von sechs jungen Menschen Anfang zwanzig, die sich mit Hunger ins Leben stürzen und kosten, was ihnen das Leben anbietet: Liebe und Kunst, Erfolge und Katastrophen, Not und Überfluss, Erfahrungen, Trennungen und Tod. Wir sehen (und hören), wie sich Charaktere formen, Träume zerplatzen, falsche Wege verlassen werden und richtige gesucht. Wir bewundern ihre Überheblichkeit und spüren ihre Angst. Eine gute Geschichte, auch ohne Plüschdekoration.
La Bohème
Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach Henri Murgers Roman ‘Scènes de la vie de Bohème’; Musik von Giacomo Puccini
Uraufführung: Turin 1896
Mit Mi-Yeon Baek, Saejoung Choi, Larissa Ciulei, Mirella Hagen, Yuna-Maria Schmidt, Nicholas Boragno, Hyun-Ouk Cho, Hyorim Choi, Don Lee, Dennis Marr, Caio Monteiro, Johannes Mooser, Kai Preußker, Daniel Raschinsky, Joun-Seong Shim, Patrick Zielke, Friedrich Mack, Andreas Großberger.
Orchester: Württembergische Philharmonie Reutlingen
Chor: Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, sowie Gäste,
Jugendchor Cantiamo, Leitung Robert Bärwald
Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Inszenierung: Bernd Schmitt
Bühne und Kostüme: Claudia Philipp
Premiere am 13.6.2010 um 18 Uhr und 15.6.2010 um 19.30 Uhr im Wilhelma-Theater Stuttgart
Penelope
- Copyright: Dominik Eisele
„Vergiss nicht, dass ich hier auf dich warte … immer“, sagt das Mädchen Penelope zu ihrem Schaukelpferd im Kinderzimmer, das mit Spielzeug übersät ist wie die Bibliothek eines Gelehrten mit Bücherregalen. Die Titelfigur beherrscht wie ihre homerische Namensschwester die Kunst des Wartens und des sich vorbehaltlos Überraschenlassens. Damit schlägt sie die Tonlage des Stücks an. Mit zauberhaften und verführerischen Mitteln verzichtet dieses Stück auf eine zusammenhängende Handlung im Sinne konventioneller und begründender Erzählhaltungen.
„Penelope“ verstößt permanent gegen Denk- und Sprachkonventionen, gegen die Gesetze vertrauter Rationalität und Realität. Das Stück unterlässt mit provozierender Phantasie die üblichen Kategorisierungen. Es ist ein Spielzimmer, in dessen Kosmos eine Überraschung der anderen die Hand reicht, und dessen dramatische Spannung in der verblüffenden Reihung der wechselnden Figuren und Räume liegt. Penelope ist eine dem lyrischen Ich vergleichbare Protagonistin, deren innere Welt im Zentrum steht; und doch wirkt diese dramatische Konstellation wie ein lebendig gewordenes Bilderbuch. So vermischen sich kaleidoskopisch Menschen und Ereignisse: ein buntes Theaterereignis.
Regie: Verena Weiss
Bühne und Kostüme: Kersten Paulsen
Komposition: David Morrow
Dramaturgie: Michael Huthmann
Es spielen Schauspielstudierende im 3. Studienjahr an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst:
Lara Beckmann, Hanna Franck, Mirjam Sommer, Margarita Wiesner, Dolores Winkler und Daniel Fischer, David Liske, Konstantin Marsch
Premiere am Freitag, den 26. März 2010 um 20 Uhr im Wilhelma Theater
La Calisto

- Copyright: Dominik Eisele
Ein vom Krieg verwüstetes Land. Jupiter und Merkur betreten als neue Besatzer das von ihnen zerstörte Gebiet. Sie gebärden sich als Retter und bedienen sich selbstverständlich der besiegten Güter und Menschen. Als sich Calisto gegen Jupiters Zudringlichkeit wehrt, zwingt er sie in ein sadistisches Rollenspiel. Ein Spiel um Macht und Unterwerfung beginnt.
Die erotische Triebhaftigkeit des Menschen und die damit einhergehenden Mechanismen der Macht haben Pier Francesco Cavalli und sein Librettist Giovanni Faustini zum Thema ihrer 1651 in Venedig uraufgeführten Oper gemacht. Als Vorlage dienten ihnen Motive aus Ovids Metamorphosen.
Regisseur Marco Štorman legt über die Opernhandlung die Folie des Krieges. Die Beziehungen zwischen den Menschen werden in dieser Extremsituation radikalisiert und die unterdrückten Mechanismen von Macht und Perversion zutage gefördert.
Die Besetzung der Produktion La Calisto gleicht einer Versuchsanordnung: Fünf Opernsänger, fünf Figurentheater-Spieler mit Live-Kameras und ein Schauspieler stehen gemeinsam auf der Bühne. So werden die Grenzen der verschiedenen Genres aufgehoben. Es entsteht ein bilderreich-experimentelles Stück Musiktheater, das sich nicht zuletzt auch mit den Bilderfluten und Stereotypen unserer Wahrnehmung von Krieg auseinandersetzt.
Oper von Francesco Cavalli (1602-1676)
Dramma per musica von Giovanni Faustini
Stuttgarter Fassung von Marco Štorman, Michael Klubertanz, Miriam Reimers, Werner Knoedgen
Eine Kooperation der Opernschule mit dem Studiengang Figurentheater
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Michael Klubertanz, Regie: Marco Štorman, Figurenszenen/-bau: Werner Knoedgen, Sylvia Wanke, Bühne und Kostüme: Kersten Paulsen
Es singen und spielen Studentinnen und Studenten der Opernschule und des Studiengangs Figurentheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.
Mit Indra Podewils, Hyun-Ah Kim, Yuna Maria Schmidt, Melanie Schlerf, Kai Preußker, Leandro Bermudez (SängerInnen) - Pauline Drünert, Mirjam Ellenbroek, Laura Oppenhäuser, Stefan Wenzel (FigurenspielerInnen), Sebastian Gerasch (Schauspieler)
Premiere am 05. Februar 2010 um 19.30 Uhr im Wilhelma Theater





































































