Produktionen der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

    Was spielt die Musikhochschule im Wilhelma Theater?

    Das Wilhelma Theater - Lehr- und Lerntheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart - präsentiert zahlreiche große und kleinere Produktionen der Studierenden aus den darstellenden Studiengängen, aber immer wieder auch aus anderen Bereichen der Hochschule. Künftige Schauspielerinnen, Sänger, Figurentheaterspielerinnen, Dirigenten und Instrumentalistinnen (oder auch umgekehrt!) finden hier ein "echtes", d.h. zahlendes Publikum und haben damit die einmalige Chance, ihr erlerntes Können schon während des Studiums unmittelbar ein- und umzusetzen.

    Damit bietet das Wilhelma Theater seinen Zuschauern die einzigartige Möglichkeit, einen Blick in den Stand der Ausbildung des Theaternachwuchses zu wagen und die jungen Künstlerinnen und Künstler bei ihrer beruflichen Entwicklung aktiv zu unterstützen.

    Sehen Sie hier, welche Produktionen in der nächsten Zeit geplant sind:

    Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter

    CHORFÜHRER: Feuergefährlich ist viel,
    Aber nicht alles, was feuert, ist Schicksal,
    Unabwendbares.
    CHOR: Anderes nämlich, Schicksal genannt,
    Dass du nicht fragest, wie´s kommt,
    Städtevernichtendes auch, Ungeheures,
    Ist Unfug.

    So steht es zu Beginn von Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter". "Ein Lehrstück ohne Lehre" sei es, vermerkte der Autor. Das Stück spielt in einer Zeit, da allerorten Dachböden in Flammen aufgehen. Und Jedermann, so auch der Herr Biedermann, schüttelt darüber verständnislos den Kopf. Wie kann es nur dazu kommen, fragt der sich, und lässt nur einen Moment später Unbekannte in seinen Dachboden einziehen, die bald darauf Benzinfässer hinaufschleppen und ihn schließlich sogar um Streichhölzer bitten. Biedermann sieht die Gefahr, redet viel übers Handeln, nimmt sich einfachste Lösungswege vor, ändert aber sehenden Auges nichts am Lauf der Dinge. Auch sein Zuhause endet in Flammen. Einer der Brandstifter bekennt dem Biedermann offen: "Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität […] Aber die beste und sicherste Tarnung […] ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand."

    Frischs Parabel ging "wie ein Lauffeuer" um die Welt. Wo sie nichts geändert hat, hat sie die Gemüter zumindest erhitzt - oder amüsiert angesichts der Fehler der immer anderen.

    "Genau das passiert, ja, das passiert, wenn man die Kommunisten zu sich hereinlässt!", so notierte sich Frisch die Reaktion der Züricher bei der Uraufführung von Biedermann und die Brandstifter" im Jahr 1958. Der Autor versuchte, diese einäugige Sichtweise auf sein Stück zu korrigieren, indem er für deutsche Bühnen einen Epilog hinzusetzte. Darin betont Frisch, dass dieser Biedermann sich nicht etwa Kommunisten ins Haus holte, sondern deutlich mit den Nazis fraternisierte. Dieses Nachspiel wurde 1966 in Moskau dankbar aufgegriffen, denn es diente den Moskauern wiederum, die Differenz von realem Handeln und idealem Reden als ein klar deutsches Problem zu erkennen - nicht etwa als ein russisches. Und in New York? Da war die Aufführung 1963 schlicht durchgefallen: Frisch stellt knapp fest: "Ein amerikanischer Businessman hat kein schlechtes Gewissen, 'free enterprise' ist 'free enterprise' ". Das alles ist nun lang her. Frischs Drama hat nicht nur die Bühnen der Welt erobert, sondern auch die Niederungen sämtlicher Schulbänke Deutschlands kennengelernt, in denen die Parabel vom zahnlosen Mittelständler pflichtgemäß Jahr für Jahr durchgekaut wurde. Und bei der Überdeutlichkeit der Aussage schlich sich hier und da sicher ein bisschen Langeweile gegenüber historischen Wahrheiten ein. Die Historie freilich ist keine Einbahnstraße.

    Während Max Frisch Biedermanns Nähe zu den Nazis, die er im Epilog extra nachgereicht hatte, einige Jahre später wieder als zu gestrig gestrichen hatte, erscheint sie im Jahre 2016 wieder in einem anderen Licht - einem neuen, alten Feuerschein.

    Premiere: 7.Oktober 2016, weitere Vorstellungen bis Mitte Dezember 2016

    Regie: Annette Pullen
    Ausstattung: Iris Kraft
    Dramaturgie: Frederik Zeugke

    Mit Studierenden des 3. Jahrgangs Schauspiel:
    Inga Behring, Elena Berthold, Kim Vanessa Földing, Milan Gather, Nurettin Kalfa, Jannik Mühlenweg, Philippe Thelen, Christopher Vantis

    Karten gibt es ab sofort unter diesem LINK!

    Ein Opern-Doppelabend: "What next?" und "Gianni Schicchi"

    Die Opernschule zeigt im Januar und Februar 2017 gleich zwei Operneinakter an einen Abend:

    What next?
    Text: Paul Griffiths; Musik: Elliot Carter
    In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

    Ein Unfall ist geschehen. Von den sechs “Opfern”, alle unverletzt, soweit wir sehen können, haben die fünf Erwachsenen verschiedene Ansichten darüber, in welcher Beziehung sie zueinander stehen und wie sie zur selben Zeit an denselben Ort geraten sind.

    MAMA Wir waren auf dem Weg zur Hochzeit meines Sohnes, der darauf beharrt, sich Harry oder Larry zu nennen, mit Rose. Zen ist mein früherer Mann, der Vater von Harry oder Larry. Stella ist vermutlich seine jetzige Freundin. Ich weiß nicht, wer Kid ist.
    ZEN Alles, was Mama sagt, mag wahr sein, aber das wichtigste ist, dass alle diese Leute meine Anhänger sind – ich bin ein Lehrer, ein Meister. Nur ich – so hoffe ich – weiß, was für ein Betrüger ich bin. Ich werde mich vollkommen selbstbewusst verhalten.
    ROSE All dies mag wahr sein, aber das wichtigste ist, dass ich auf dem Rückweg von einer Vorstellung war. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich für mich, von Bewunderern umgeben zu sein. Es ist relativ belanglos für mich, wer diese Menschen sind.
    HARRY ODER LARRY Wen interessiert’s?
    STELLA All dies mag wahr sein (wenn man davon absieht, dass das, was mein Vorgänger gerade sagte, kaum eine zu beweisende Wahrheit ist), doch meine eigene Erinnerung ist, dass ich auf meinem Weg zur Arbeit war, ins Observatorium. Wenn dem nicht so war, dann leide ich vielleicht an irgendeiner vorübergehenden mentalen Störung und muss versuchen, mich ruhig zu verhalten, bis die Dinge klarer werden.

    Gianni Schicchi
    Text: Giovacchino Forzano nach Dante; Musik: Giacomo Puccini
    In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

    Florenz im Jahre 1299. Der alte Buoso Donati ist gestorben und die Verwandtschaft angerückt, um seinen Tod zu beklagen und nach dem Testament zu suchen. Endlich gefunden, enthüllt das Schriftstück leider, dass der Großteil des hinterlassenen Vermögens an die Kirche gehen soll. Rinuccio, der Neffe von Buosos Cousine Zita, hat nach Gianni Schicchi geschickt, der zwar im Gegensatz zur alteingesessenen Familie Donati lediglich ein ungeachteter Zugereister in Florenz ist, dem man aber die Lösung dieses ‚Problems’ zutraut. Ganz nebenbei spekuliert Rinuccio auch noch auf Schicchis Tochter Lauretta. Da die Nachricht vom Tode des alten Buoso noch nicht nach draußen gedrungen ist, schlüpft Schicchi kurzerhand in dessen Rolle und diktiert dem eilig herbeigerufenen Notar vor Zeugen eine neue Testamentsversion, in welcher er die gierige Verwandtschaft mit Petitessen abspeist, sich selbst aber die Sahnestückchen aus Buosos Besitz vermacht. Den wütenden Betrogenen führt er die damals in Florenz übliche Strafe für Testamentsfälscher und deren Mitwisser vor Augen: Verlust der rechten Hand.

     

    Es singen und spielen:
    Victoria Kunze, Haeyeon Lee, Birte Markmann, Sophia de Otero, Joyce de Souza, Manuela Vieira, Arthur Cangucu, Philipp Franke, Sandro Machado, Johannes Mooser, Vladislav Pavliuk, Roman Poboinyi, Helen Sophie Schmitt, Severin Schmitt, Pascal Zurek.

    Es spielt das Stuttgarter Kammerorchester verstärkt durch Studierende der Instrumentalklassen.

    Musikalische Leitung: Prof. Bernhard Epstein
    Regie: Bernd Schmitt
    Bühne und Kostüme: Birgit Angele

     

    Premiere am 28. Januar 2017, 19 Uhr im Wilhelma Theaterweitere Vorstellungen bis zum 14. Februar 2017

    Karten gibt für diesen Opern-Doppelabend gibt es ab November!