Veranstaltungen

    VERANSTALTUNGEN
    oder
    Sa 08.06
    19:00 Uhr
    Wilhelma Theater
    Eine Produktion der Opernschule der HMDK Stuttgart
    von 13,00 EUR bis 31,00 EUR und Ermäßigungen
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    Hans Werner Henze: Elegie für junge Liebende

    „Der Geist des Menschen muss sich entscheiden für die Vollkommenheit des Lebens oder des Werkes“

    Im Mai 1961 wird Henzes „psychologisch nuancierte Kammeroper“ – wie der Komponist sie selbst bezeichnet - im Schwetzinger Schlosstheater unter seiner Regie uraufgeführt. Es ist sein siebentes Werk für das Musiktheater. Die Partie des Dichters Gregor Mittenhofer interpretiert damals Dietrich Fischer- Dieskau.

    Die Opernhandlung kreist um den Dichterfürsten Mittenhofer, der vampirartig seine Umwelt für sein künstlerisches Schaffen benutzt.
    Alle sechs Figuren leben in und mit einem Wahn. Die Sekretärin Carolina von Kirchstetten erträgt devot alle Erniedrigungen, um ihrem Meister künstlerisches Schaffen zu ermöglichen, der Arzt Wilhelm Reischmann umsorgt stündlich des Künstlers Wohlbefinden. Hilde Mack, eine Witwe, dient ihm nach dem Tod ihres Mannes mit ihren Visionen als Inspiration, die junge Elisabeth Zimmer als Geliebte und Muse. Die Ankunft des Arztsohnes Toni Reischmann wirkt katalytisch auf die Beziehungen. Am Ende steht der Tod zweier Liebender, der von Elisabeth und Toni, mittels dessen Mittenhofer sein neues Gedicht, die Elegie, vollenden wird.
    Die enorme Farbigkeit, die Henze aus der kleinen Orchesterbesetzung von 25 Instrumenten erzielt, ist beeindruckend. Jeder Figur des Stückes ist ein Instrument zugeordnet, Hilda Macks Visionen ähneln in ihrer „kristallnen Klanglichkeit“ (Henze), der Wahnsinnszene aus Lucia di Lammermoor. Uhrenschlagen und Geräusche thematisieren und gliedern musikalisch die ritualisierte Zeit in dem Berghotel, in dem Mittenhofer jährlich residiert. Die Gesangspartien fordern ebenso schillernde Farbigkeit wie Nuancenreichtum.

    Die komplexe Tiefenpsychologie der Kälte menschlicher Beziehungen und Abhängigkeiten darzustellen, ist eine szenische Herausforderung für junge SängerdarstellerInnen.
    Neben der Hinterfragung des Absolutheitsanspruchs des Künstlers werden in der Elegie Kommunikationsunfähigkeit und nicht zuletzt die Schuldfrage Mittenhofers thematisiert. Henze hat in dieser Kammeroper keineswegs nur ein subjektiv -psychologisierendes Einzelschicksal, sondern einen menschlichen Konflikt mythischer Dimensionen vertont.
    Wieweit kann, soll, darf der Künstler für seine Kunst gehen? Leben und Kunst? Oder Kunst= Leben? Leben oder Kunst? Nutzt und benutzt der Kunstschaffende andere Menschen, Kollegen zur Durchsetzung seiner Interessen?
    Bereits im Studium stellen sich auch und gerade für die jungen KünstlerInnen diese grundsätzlichen Fragestellungen: welchen Stellenwert Kunstausübung im Leben einnimmt, ist eine der wesentlichsten und weitreichendsten Entscheidungen.

    Mit Studierenden der Opernschule und einem Kammerensemble der HMDK Stuttgart

    Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
    Regie: Kornelia Repschläger
    Bühne: Alexandre Corazzola
    Kostüme: Ralf Christmann

    Eine Produktion der Opernschule der HMDK Stuttgart