Veranstaltungen

    VERANSTALTUNGEN
    oder
    Sa 22.06
    19:00 Uhr
    Wilhelma Theater
    1. Baden-Württembergisches Opernschultreffen
    von 12,00 EUR bis 23,00 EUR und Ermäßigungen
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    THE TURN OF THE SCREW (HfM Karlsruhe)

    Was für eine Vokalise! Irisierend dringt sie an unser Ohr, lässt sich in keine Tonart einordnen, in kein rhythmisches Korsett. Frei ausschwingend, fällt sie aus der Zeit, ist ganz sie selbst, fremd und verlockend. Ist es eine innere Stimme, die wir da hören? Sirenenhaft, unwirklich, gefährlich? Benjamin Britten lässt das in seiner 1954 uraufgeführten Oper The turn of the screw offen. Eigentlich wird hier nur ein Junge beim Namen gerufen. Doch die Art, wie das geschieht, holt die Situation ins Unwirkliche. Es ist der Gesang, der dieses Umkippen ermöglicht. Und es ist die Kunst des großen britischen Komponisten, mit der menschlichen Stimme umzugehen. In der literarischen Vorlage von Henry James bleiben die Gespenster stumm. Nun können sie nicht nur sprechen, sondern sie entführen uns singend in ein Kaleidoskop, das die Grenzen zwischen Sehnsucht und Angsttraum, Erinnerung und Phantasie, Innen und Außen aufhebt. THE TURN OF THE SCREW ist zweifellos einer von Brittens kühnsten Entwürfen: Nicht nur, weil er das Thema der verlorenen Unschuld, der verlorenen Sicherheit und Geborgenheit aufgreift. Musiktheater verwirklicht sich hier als Theater aus Musik, das keine Botschaften formuliert, sondern unser Bewusstsein erweitert. Ein Theater der präzisen Unschärfe, das Wahrheit und Wirklichkeit in Frage stellt. So ist THE TURN OF THE SCREW in mehrfachem Sinn ein Stück, das uns heute angeht, das uns fordert angesichts zerfallener Werte und multipler Identität.

    Eine Produktion der Hochschule für Musik Karlsruhe, Institut für Musiktheater
    mit Studierenden und dem Orchester der HfM Karlsruhe
    Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
    Regie: Andrea Raabe
    Bühne und Kostüme: Julia Schnittger