Produktionen der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

    Was spielt die Musikhochschule im Wilhelma Theater?

    Das Wilhelma Theater - Lehr- und Lerntheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart - präsentiert zahlreiche große und kleinere Produktionen der Studierenden aus den darstellenden Studiengängen, aber immer wieder auch aus anderen Bereichen der Hochschule. Künftige Schauspielerinnen, Sänger, Figurentheaterspielerinnen, Dirigenten und Instrumentalistinnen (oder auch umgekehrt!) finden hier ein "echtes", d.h. zahlendes Publikum und haben damit die einmalige Chance, ihr erlerntes Können schon während des Studiums unmittelbar ein- und umzusetzen.

    Damit bietet das Wilhelma Theater seinen Zuschauern die einzigartige Möglichkeit, einen Blick in den Stand der Ausbildung des Theaternachwuchses zu wagen und die jungen Künstlerinnen und Künstler bei ihrer beruflichen Entwicklung aktiv zu unterstützen.

    Sehen Sie hier, welche Produktionen in der nächsten Zeit geplant sind:

    Der zerbrochne Krug

    Ein Lustspiel

    Er, Dorfrichter Adam, sei aus dem Bett gefallen, anschließend über sich selbst gestolpert und müsse deshalb mit diesem erstaunlich zerschundenen Gesicht und leider auch ohne Perücke Gerichtstag halten: Frau Marthe erhebt Anklage gegen Ruprecht, er habe beim nächtlichen Treffen mit ihrer Tochter Eve einen wertvollen Krug zerschlagen. Ruprecht streitet das ab und bezichtigt stattdessen seine Verlobte Eve der Untreue – er habe sie mit einem anderen ertappt, der aber unerkannt geflohen sei. Eve schweigt.

    Dieser Adamsfall ist nur die erste Lüge, die der Richter im Laufe des Prozesses von sich geben wird. Mit Hilfe der angereisten Gerichtsrätin Walter, tatkräftig unterstützt von Schreiber Licht, ist der Fall bald klar: Es geht um Missbrauch.

    Die Dreistigkeit, mit der Adam von sich als Täter ablenken, jede Verantwortung von sich weisen und die bestehenden Machtverhältnisse zementieren will, macht das Drama zum Lustspiel.

    Es spielen die Schauspielstudierenden der HMDK Stuttgart:
    Annabel Hertweck, David Richter, Joscha Schönhaus und Furkan Yaprak (3. Studienjahr)
    sowie Maria Helena Bretschneider, Janina Fautz und Marie Schröder (2. Studienjahr)

    Regie Alexander Marusch
    Bühne & Kostüme
    Kersten Paulsen
    Musik Marco Nola
    Dramaturgie Franziska Kötz
    Sprecherziehung Carola Grahl

    Premiere am Samstag, den 1. Oktober 2022 um 19.30 Uhr im Wilhelma Theater

    Weitere Vorstellungen am 7., 8., 22., 27., 28. Oktober
    und am 12., 24., 25. November sowie am
    2. und zum letzten Mal am 3. Dezember 2022 – um 19.30 Uhr

    Tickets sind ab sofort unter diesem LINK erhältlich

    Hans und Grete (UA)

    Ausgangspunkt Stammheim

    Am 18. Oktober 1977 fand man im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim in ihren Zellen drei tote Inhaftierte, über deren Status sich die deutsche Gesellschaft bis heute nicht abschließend geeinigt hat. Waren es gewöhnliche Kriminelle? Politische Gefangene? Terroristen? Kämpfer für eine bessere Welt?
    Was 1968 mit einem Kaufhausbrand als politische Aktion gegen den Vietnamkrieg begann, kulminierte nach vielen Eskalationsstufen in dieser schockierenden Tat. Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte der Kampf gegen Krieg selbst zu einem Krieg werden? Und führt „Gewalt gegen Sachen“ als Protestform zwangsläufig zu solch einem Ende?
    Die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts scheiden die Nachkriegs-Bundesrepublik des Wiederaufbaus, die sich nur sehr eingeschränkt den Fragen nach Schuld und Verantwortung stellte von der Bundesrepublik, die nach einem neuen Selbstverständnis suchte, das die Vergangenheit nicht leugnete, aber eine Zukunft möglich machte.
    Die Oper „Hans und Grete“ versucht die innere Struktur der „Rote Armee Fraktion“ von der politischen Aktion zum Terrorismus nachzuvollziehen und zu verstehen, was diese Entwicklung heute für uns bedeuten kann.

    Das Textmaterial

    Der größte Teil der verwendeten Texte sind Originalzitate von Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Holger Meins aus verschiedensten Quellen wie Briefen, Kassibern, Manifesten, Eingaben, Tonaufnahmen, Interviews. Dazu kommen Zitate aus dem ikonographischen Umfeld der RAF (Leviathan, Moby Dick, Hänsel und Gretel) sowie aus Gerichtsprotokollen, Gesetzen und Arztberichten.

    In freier Montage der Zitate werden einige Grundkonstellationen ideologischer / psychologischer / zwischenmenschlicher / zeitgeschichtlicher Art evoziert. Dabei geht es weniger um das Nacherzählen des damals Geschehenen als um den Prozess der Radikalisierung und die Erforschung der eigenen Haltung aus heutiger Perspektive.

    Der Körper als Klangquelle

    Ein älterer Schauspieler und eine jüngere Schauspielerin werden sich mit den Texten der vier RAF-Leute auseinandersetzen. Die Körperklänge und Körperimpulse der beiden – Sprache, Atem, Herzschlag, Muskelkontraktion etc – werden von Kontaktmikrophonen abgenommen. Die Körper werden in einer Mischung aus Vampirismus und Zwangsernährung akustisch ausgeschlachtet - („Unsere letzte und stärkste Waffe ist unser Körper, ihn haben wir kollektiv eingesetzt.“ Holger Meins) - und diese Impulse vom Sounddesigner Felix Nagl am Abend live elektroakustisch weiterverarbeitet.

    Die chinesische Komponistin Huihui Cheng, die u.a. in Stuttgart und am IRCAM in Paris studiert hat, hat dazu Musik für ein 11köpfiges Sängerensemble geschrieben, Projektionen der Protagonisten, Geister, Dämonen, Alpträume. Es wird keine Instrumente geben. Alle Klänge werden von menschlichen Körpern und der Elektronik produziert.

    Die beiden in zwei Greenscreen-Räumen gefangenen Schauspieler und die sie bedrängenden Sänger werden von Live-Kameras beobachtet, deren Bilder vom Video- und Lichtdesigner Felix Hecker verarbeitet und im Keying-Verfahren auf eine Silhouette von Moby Dick projiziert werden. Moby Dick, der Leviathan, der Staat, das Ungeheuer, das Ziel.

    Hans und Grete

    Musik: Huihui Cheng
    Live-Elektronik: Felix Nagl
    Licht und Live-Video: Felix Hecker
    Konzeption: Birgit Angele
    Libretto: Bernd Schmitt

    Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
    Regie: Bernd Schmitt
    Bühne und Kostüme: Birgit Angele

     

    Studierende der Opernschule und des Studiengangs Neue Musik der HMDK Stuttgart
    Sopran: Annija Adamsone, Danielle Barash, Dominika Majdanová
    Mezzosopran: Jasmin Hofmann, Christina Maier, Elena Tasevska
    Tenor: Leopold Bier,  Adam Brusznicki, Lars Tappert
    Bariton: Will Kim, Frazan Kotwal

    Die Frau: Lena Entezami
    Der Mann: Werner Strenger

    Vorstellungen am:
    21./29.01.2023 sowie 2./3.02.2023, jeweils 20 Uhr
    und 4.02.2023, 18.30 Uhr

    Tickets sind unter diesem Link ab sofort erhältlich!