Produktionen der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

    Was spielt die Musikhochschule im Wilhelma Theater?

    Das Wilhelma Theater - Lehr- und Lerntheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart - präsentiert zahlreiche große und kleinere Produktionen der Studierenden aus den darstellenden Studiengängen, aber immer wieder auch aus anderen Bereichen der Hochschule. Künftige Schauspielerinnen, Sänger, Figurentheaterspielerinnen, Dirigenten und Instrumentalistinnen (oder auch umgekehrt!) finden hier ein "echtes", d.h. zahlendes Publikum und haben damit die einmalige Chance, ihr erlerntes Können schon während des Studiums unmittelbar ein- und umzusetzen.

    Damit bietet das Wilhelma Theater seinen Zuschauern die einzigartige Möglichkeit, einen Blick in den Stand der Ausbildung des Theaternachwuchses zu wagen und die jungen Künstlerinnen und Künstler bei ihrer beruflichen Entwicklung aktiv zu unterstützen.

    Sehen Sie hier, welche Produktionen in der nächsten Zeit geplant sind:

    Hans Werner Henze: Elegie für junge Liebende

    „Der Geist des Menschen muss sich entscheiden für die Vollkommenheit des Lebens oder des Werkes“

    Im Mai 1961 wird Henzes „psychologisch nuancierte Kammeroper“ – wie der Komponist sie selbst bezeichnet - im Schwetzinger Schlosstheater unter seiner Regie uraufgeführt. Es ist sein siebentes Werk für das Musiktheater. Die Partie des Dichters Gregor Mittenhofer interpretiert damals Dietrich Fischer- Dieskau.

    Die Opernhandlung kreist um den Dichterfürsten Mittenhofer, der vampirartig seine Umwelt für sein künstlerisches Schaffen benutzt.
    Alle sechs Figuren leben in und mit einem Wahn. Die Sekretärin Carolina von Kirchstetten erträgt devot alle Erniedrigungen, um ihrem Meister künstlerisches Schaffen zu ermöglichen, der Arzt Wilhelm Reischmann umsorgt stündlich des Künstlers Wohlbefinden. Hilde Mack, eine Witwe, dient ihm nach dem Tod ihres Mannes mit ihren Visionen als Inspiration, die junge Elisabeth Zimmer als Geliebte und Muse. Die Ankunft des Arztsohnes Toni Reischmann wirkt katalytisch auf die Beziehungen. Am Ende steht der Tod zweier Liebender, der von Elisabeth und Toni, mittels dessen Mittenhofer sein neues Gedicht, die Elegie, vollenden wird.
    Die enorme Farbigkeit, die Henze aus der kleinen Orchesterbesetzung von 25 Instrumenten erzielt, ist beeindruckend. Jeder Figur des Stückes ist ein Instrument zugeordnet, Hilda Macks Visionen ähneln in ihrer „kristallnen Klanglichkeit“ (Henze), der Wahnsinnszene aus Lucia di Lammermoor. Uhrenschlagen und Geräusche thematisieren und gliedern musikalisch die ritualisierte Zeit in dem Berghotel, in dem Mittenhofer jährlich residiert. Die Gesangspartien fordern ebenso schillernde Farbigkeit wie Nuancenreichtum.

    Die komplexe Tiefenpsychologie der Kälte menschlicher Beziehungen und Abhängigkeiten darzustellen, ist eine szenische Herausforderung für junge SängerdarstellerInnen.
    Neben der Hinterfragung des Absolutheitsanspruchs des Künstlers werden in der Elegie Kommunikationsunfähigkeit und nicht zuletzt die Schuldfrage Mittenhofers thematisiert. Henze hat in dieser Kammeroper keineswegs nur ein subjektiv -psychologisierendes Einzelschicksal, sondern einen menschlichen Konflikt mythischer Dimensionen vertont. Wieweit kann, soll, darf der Künstler für seine Kunst gehen? Leben und Kunst? Oder Kunst= Leben? Leben oder Kunst? Nutzt und benutzt der Kunstschaffende andere Menschen, Kollegen zur Durchsetzung seiner Interessen?
    Bereits im Studium stellen sich auch und gerade für die jungen KünstlerInnen diese grundsätzlichen Fragestellungen: welchen Stellenwert Kunstausübung im Leben einnimmt, ist eine der wesentlichsten und weitreichendsten Entscheidungen.

    Mit Studierenden der Opernschule und einem Kammerensemble der HMDK Stuttgart
    Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
    Regie: Kornelia Repschläger
    Bühne: Alexandre Corazzola
    Kostüme: Ralf Christmann

    Premiere: 31. Mai 2019, 19 Uhr
    weitere Vorstellungen: 02. / 04. / 08.06.2019

    Karten für die Vorstellungen gibt es HIER!

    Mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft der Freunde der HMDK Stuttgart